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max bill: Schönheit aus Funktion und als Funktion

Es mag etwas kurios erscheinen, doch die Moderne als kunstgeschichtliche Epoche liegt inzwischen bereits rund hundert Jahre zurück. Wie zeitlos und aktuell die damaligen Fragestellungen geblieben sind, zeigen die Werke von max bill*, der am Anfang seines Schaffens vom Bauhaus geprägt wurde.

Für heutige Betrachter erscheinen seine Möbel schlicht praktisch und schön, dass hinter ihrer Erschaffung ein kultureller Diskurs steckt, lässt sich erst erahnen, wenn man bills Verständnis der «guten Form», die er erstmals am Schweizerischen Werkbundtag 1948 formulierte, reflektiert: «Schönheit aus Funktion und als Funktion».

max bill wohnbedarf

Max Bill arbeitet an seinem Kreuzzargenstuhl, 1951. (Foto: max, binia + jakob bill stiftung)

Diese kurze und prägnante Aussage ist der Kern einer kulturtheoretischen Auseinandersetzung, die unter Vertretern des Bauhaus geführt wurde. Auf der einen Seite standen diejenigen, die postulierten, dass sich Schönheit alleine aus der Funktion heraus zu entwickeln hat. Auf der anderen Seite standen Leute wie Le Corbusier, die der Meinung waren, das Schönheit selbst eine Funktion sei.

max bill war ebenfalls dieser Ansicht. Diese Haltung findet ihren Ausdruck in all seinen Entwürfen, die immer zugleich funktional und ästhetisch ansprechend sein wollen. Aus heutiger Sicht lässt sich dazu nur sagen: Zum Glück! Denn dank diesem Zugang zu Form und Gestaltung dürfen wir uns heute an Möbeln und Objekten erfreuen, die in ihrer Schönheit zeitlos wirken – und gleichzeitig ihren Zweck perfekt erfüllen.

max bill: Architekt, Maler, Plastiker, Grafiker, Publizist

max bill wurde am 22. Dezember 1908 in Winterthur geboren. 1924 bis 1927 machte er an der Kunstgewerbeschule Zürich eine Lehre als Silberschmied. Dort lernte er Le Corbusier kennen, dessen Schaffen ihn prägte. bill beschloss, selbst Architekt zu werden und studierte 1927 bis 1928 am Bauhaus in Dessau, wo er unter anderem Lehrer wie Josef Albers, László Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer, Paul Klee und Wassily Kandinsky hatte.

Als max bill nach Zürich zurückkehrte, lebte er zuerst von Werbeaufträgen, die er unter den Marken «bill – reklame» und «bill – zürich» umsetzte. 1930 wurde er Mitglied des Schweizerischen Werkbunds (SWB). Ein Jahr später wurde wohnbedarf gegründet.

max bill war von Anfang an für die gesamte Kommunikation von wohnbedarf verantwortlich und gestaltete alle Werbemittel, unter anderem das noch heute verwendete Logo sowie Prospekte, Anzeigen und Briefpapier. In der visionären Siedlung Neubühl stattete er die Modellwohnung «Wohnung und Atelier für einen Maler und Zeichner» mit wohnbedarf-Möbeln aus und gestaltete die dazu gehörende Reklame.

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Ein von max bill entworfenes Plakat für wohnbedarf aus den 30ern. (Bild: Museum für Gestaltung)

1932 wurde max bill Mitglied der Pariser Künstlergruppe «abstraction – création», nahm an deren gemeinsamen Ausstellungen teil und machte Bekanntschaft mit Jean Arp, Piet Mondrian und Georges Vantongerloo. Von 1932 bis 1933 baute und wohnte er in seinem eigenen Atelierhaus im Zürcher Quartier Höngg. In den folgenden Jahren war max bill als Architekt, Maler, Plastiker, Grafiker und Publizist tätig.

1936 gestaltete max bill den schweizerischen Beitrag zur Triennale von Mailand, für den er mit dem Gran Premio ausgezeichnet wurde und erstmals internationale Beachtung fand. An der Triennale wurde auch die Urform der «unendlichen Schleife» ein erstes Mal öffentlich ausgestellt.

max bill: Industrial Design und die gute Form

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Barhocker von max bill. (Foto: wohnbedarf)

max bill gehörte mit seinen Entwürfen für die Industrie zur neuen Generation der Schweizer Produkte-Designer. 1944 überarbeite er die Schreibmaschine «Patria». Danach entwarf er mehrere Gebrauchsgeräte, wie etwa den Dreibeinstuhl, den Kreuzzargenstuhl, den Dreirundtisch, den Quadratrundtisch – und einen Barhocker. wohnbedarf hat diese zeitlosen Entwürfe in einer Re-Edition neu herausgebracht.

Im Zuge der Möblierung der von ihm errichteten Hochschule für Gestaltung in Ulm, deren erster Rektor er war, entwickelte er 1954 den «Hocker für zwei Sitzhöhen», der heute als Ulmer Hocker bekannt ist. Ab 1957 gestaltete er zudem verschiedene Uhrenmodelle für die Firma Junghans in Schramberg.

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Küchenuhr von max bill für Junghans. (Foto: Wikipedia Commons) 

1952 erschien das von max bill herausgegebene Buch «FORM. eine bilanz der formentwicklung um die mitte des XX. jahrhunderts», in welchem er eine internationale Auswahl an Geräten und Möbeln vorstellte, die seiner Definition: «konstruktiv, sinngemäss, ökonomisch = schön» entsprachen.

Neben seiner Arbeit als Architekt und Gestalter war max bill auch politisch tätig. Der überzeugte und engagierte Antifaschist war als Parteiloser von 1961 bis 1968 Mitglied des Zürcher Gemeinderats und von 1967 bis 1971 im Schweizer Nationalrat. max bill war zudem Mitglied diverser Vereinigungen und Kommissionen und durfte im Laufe seines Lebens viele Preise und Ehrungen entgegennehmen. Er verstarb am 9. Dezember 1994 in Berlin.

*Im Jahr 1925 machte sich das Bauhaus die Kleinschreibung zum Programm: 
„wir schreiben alles klein, denn wir sparen damit zeit. außerdem: 
warum 2 alfabete, wenn eins dasselbe erreicht? warum großschreiben, 
wenn man nicht groß sprechen kann?”
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wohnbedarf ist mehr als ein Möbelgeschäft. Das Unternehmen setzt sich seit 1931 für modernes Wohnen ein und arbeitet seit der Gründung mit visionären Architekten und Gestaltern zusammen. Auf Drinks & Style präsentiert wohnbedarf einige dieser Design-Ikonen und Klassiker des modernen Designs.

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