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Cocktails mit Fernet?

„Nimm doch einen Fernet.“ Diesen Satz habe ich früher oft gehört, wenn ich wieder einmal zu üppig gegessen hatte. Mit diesem Bild im Kopf bin ich letzte Woche an den Bartender-Contest von Fernet-Branca im Bricks in Zürich gegangen.

Für mich war Fernet vor allem eine Verdauungshilfe, die nach den Mahlzeiten pur genommen wird. Sozusagen als Medizin. Als Cocktail- oder Drink-Zutat konnte ich mir den italienischen Kräuterlikör schwer vorstellen. Zu stark war in meiner Erinnerung der Eigengeschmack von Fernet. – Aber ich wurde des Besseren belehrt.

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Von Links: Sebastian Wirth (Clouds/Zürich), Rafael Vásquez (Widder Bar/Zürich), Manuel Lechthaler (3. Platz, Art Deco Hotel Montana/Luzern), Alexander Unterberg (Aura/Zürich), Elisa Vignuda (Fernet-Branca), Patrick Dresel (Brick/Zürich), Andrej Blaha (2. Platz, Widder Bar/Zürich), Sonja Riemer (Dettling & Marmot), Tim Michel (Bar Capitol/Luzern), Adriano Volpe (Sieger, Grand Hotel Les Trois Rois/Basel), Mari Ramaj (Art Deco Hotel Montana/Luzern).

Die neun Finalisten am Wettbewerb waren alles Barprofis, die im Vorfeld einen Drink mit Fernet-Branca oder Branca Menta kreiert und eingereicht hatten. Am Wettbewerb selbst mussten sie ihren eingereichten Drink und einen, den sie vor Ort mit Zutaten, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, vor der Jury mixen und präsentieren.

Das hört sich einfacher an, als es war. Zum einen hatten die Teilnehmer und die eine Teilnehmerin nur 10 Minuten Zeit für beide Drinks, zum anderen ist es nicht einfach, einen neuen Cocktail ohne grosse Vorbereitung aus dem Ärmel zu schütteln. Hinzu kam, dass der zweite Drink in der Wertung viel stärker gewichtet wurde als der, an dem die Bartender vorher zu Hause herumtüfteln konnten.

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Die Erfahrung hat gesiegt: Adriano Volpe, Head-Bartender des Trois Rois.

Der Gewinner des Wettbewerbs, Adriano Volpe, Head-Bartender des Hotel Trois Rois in Basel, meisterte diese Herausforderung am besten. Was sicher auch an seiner Erfahrung lag. Ich gratuliere! Das Rezept seines zweiten Drinks, den „Milano Sour“, findet ihr unten. Ich fand gerade die kleinen Fernet-Fläschchen mit Pipette eine geniale Idee, weil sie den Gästen erlaubt, genau die Menge Fernet hinzuzufügen, die dem persönlichen Geschmack entspricht.

Adriano hat mir am Anlass auch erzählt, dass er immer versucht, mit seinen Gästen über die Cocktails zu sprechen und mehr über ihre Vorlieben zu erfahren, damit sie genau den Drink erhalten, der ihnen zusagt. Er fand, diese Beziehung zu den Leuten sei ihm wichtig, weil so Neues entstehe und auch die Konsumenten die Cocktails besser schätzen lernten. Die Pipette war für mich der perfekte Ausdruck dieser Haltung.

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Jeder hatte seine persönliche Art, mit den Gästen (der Jury) zu interagieren: Tim Michel aus Luzern.

Professionalität und Kreativität zeigten alle Teilnehmer. Für mich als professionellen Konsumenten war es einfach faszinierend, diesen Profis zuzusehen. Obwohl die Aufgabe für alle die gleiche war, hatten alle ihre persönliche Art. Das hat sich gerade bei den Präsentationen gezeigt. Einzelne waren extrem talentierte Showleute, die sofort mit der Jury interagierten und ihnen auf eine sehr spannende Art erzählten, was sie warum in ihre Cocktails taten. Andere machten Witze, sprachen über ihre Mutter oder liessen ein bisschen Flair-Tending aufblitzen.

Ich war begeistert und musste immer wieder über Kleinigkeiten staunen, etwa wie viel Erfahrung sichtbar wurde, wenn die Profis unter widrigen Umständen perfekt arbeiteten. Zum Beispiel Sebastian Wirth aus dem Clouds: Die Bar war verstellt und er schaffte es, seine Drinks über drei Flaschen hinweg in ein Cocktail-Glas abzuseihen, ohne dass ein Tropfen daneben ging.

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Kreatives Rezept und routinierte Präsentation: Sebastian Wirth vom Clouds.

Mein geheimer Favorit war übrigens Sebastian. Der Drink, der ihn ins Finale gebracht hatte, hiess „The Italian Job“. Er hat mich schlicht umgehauen. Wo die meisten anderen Barleute versucht hatten, Fernet eher geschmacklich in den Hintergrund zu drängen (zum Beispiel mit Rahm oder mit Schokolade), war er auf die geniale Idee gekommen, den Fernet-Geschmack mit Tonka-Bohnen Sirup aufzunehmen und auf eine sehr harmonische Art zu erweitern. Sebastian kam leider etwas unter Zeitdruck und scheiterte vermutlich wegen seines zweiten Drinks. – Aber ich war nicht in der Jury.

Mein Fazit: Ich werde sicher einen Abstecher ins Clouds und ins Trois Rois machen. Adriano und Sebastian haben mich wirklich neugierig gemacht!

Santé!

Milano Sour
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Zutaten
  1. 5,0 cl Fernet-Branca
  2. 5,0 cl Rémy Martin Cognac VSOP
  3. 0.5 cl Chambord Liqueur
  4. 2,5 cl Zuckerrohrsirup
  5. 2,0 cl Zitronensaft
  6. 0,75 cl Eiweiss
  7. Falernum Parfüm
Deko
  1. Vanillestange, Apfel-Orangen-Schale
Zubereitung
  1. Alle Zutaten mit Eis im Shaker gut mixen, in vorgekühlte Gläser abseihen, mit Falernum parfümieren und mit Zimtstange und Apfel-Orangen-Schale dekorieren. Fernet-Branca mit Pipette dazustellen.
Drinks & Style https://www.drinks-and-style.ch/

Über Fernet-Branca

Der Fernet-Branca entstand im Jahr 1845. Die geheime Produktformel wird innerhalb der Familie Branca vom Vater an den Sohn weitergegeben. Das hat die Beibehaltung der Produktqualität gewährleistet und macht den Fernet-Branca noch heute zum Amaro, der als bester Verdauungslikör gilt. Fernet-Branca reift mindestens ein Jahr lang in Eichenfässern, hat eine hell-braune Farbe mit bernsteinfarbenen Reflexen und einen intensiven und ausgeglichenen Geruch.

Alle Fotos: Steven Kohl Photography
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